Die richtigen Bergemitteln und die richtige Bergetechnik

alles, was in die obigen Bereiche nicht reinpasst
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AndreasE
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Die richtigen Bergemitteln und die richtige Bergetechnik

Beitrag von AndreasE » Do 12. Jun 2014, 22:05

Dieses Thema scheint einen eigenen Thread wert zu sein.
Ich habe ihn aus meinem Reinigungsthread herausgelöst, damit er hier seinen eigenen Platz bekommt.

Es ging ursprünglich um die Befestigung an den hinteren Bergeösen.

LG,
Andy

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egn
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Re: Die richtigen Bergemitteln und die richtige Bergetechnik

Beitrag von egn » Do 12. Jun 2014, 22:15

Ein Mod kann vieleicht die Beiträge hier her schieben.

Hier ist noch ein alter Thread zu diesem Thema.

Hier noch einer.
Zuletzt geändert von egn am Do 12. Jun 2014, 22:20, insgesamt 1-mal geändert.
Gruß Emil

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tdichris
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Re: Die richtigen Bergemitteln und die richtige Bergetechnik

Beitrag von tdichris » Do 12. Jun 2014, 22:19

Bei unseren schweren LKWs ist für mich eine gesicherte Sollbruchstelle mit definierte Bruchlast unter der Hälfte der Belastbarkeit aller anderen beteiligten Komponenten die einzig sinnvolle Lösung. Alles andere ist russisches Roulette.



Das finde ich aber auch nicht für die richtige Lösung.
Wenn etwas bricht, wirds gefährlich !!

Viel wichtiger ist es, sich mit der Materie "Bergung" auszukennen und nicht, wie die "wahnsinnigen" Geländewagenfahrer mit der "Haudrauf"-Methode Schäden und Verletzungen oder gar Tote zu produzieren.

Ein einfaches Beispiel zu Nachdenken:
Nimm einen Bindfaden, nicht zu dick, zieh ihn langsam auseinander, du wirst ihn nicht auseinander reissen können.
Zieh ruckartig daran und er reisst sofort.
Grüße
Christian

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Re: Die richtigen Bergemitteln und die richtige Bergetechnik

Beitrag von egn » Do 12. Jun 2014, 22:22

Nein, es wird absolut nicht gefährlich wenn etwas dort bricht wo man es will und man durch eine zusätzliche Sicherungsmaßnahme verhindert dass Teile frei durch die Luft fliegen.

Dein Bindfaden reißt irgendwo. Wenn in der Verbindung eine definierte Schwachstelle ist und die beiden Seiten zusätzlich um diese Stelle herum verbinden ist dann reißt die Schwachstelle und wenn die Sicherungsverbindung verhindert dass die beiden Hälften sich verselbständigen und man kann abbrechen.
Zuletzt geändert von egn am Do 12. Jun 2014, 22:28, insgesamt 1-mal geändert.
Gruß Emil

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Zentralgestirn
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Re: Die richtigen Bergemitteln und die richtige Bergetechnik

Beitrag von Zentralgestirn » Do 12. Jun 2014, 22:26

Für hinten habe ich für mich eine optimale Lösung gefunden, die ich sogar für mich als optische Aufwertung empfinde.

viewtopic.php?f=19&t=406&hilit=fem&start=25#p7745

Das hat folgende Vorteile

Die Hacken halten mehr aus, wie die Schäkel die in die Ösen passen
Der Biegeradius ist deutlich größer wie bei 7/8" Schäkel, was bei textilen Hebemitteln und Stahlseilen wichtig ist
Ich kann alles mögliche einhaken und das schnell
möglichst wenige involvierte Teile, damit bei einem Versagen möglichst wenig durch die Luft fliegt
Ich bekomme auch relativ dicke Schiffstaue eingehängt
Ich kann sie nicht verlieren, ergo muss ich sie auch nicht suchen, wenn ich sie brauche
Eisdielenfaktor (Da bin ich ehrlich, ist mir wichtig)
die Zurrpunkte bleiben frei um Fangleinen für die Bergeausrüstung anschlagen zu können

Nachteile

das ganze kostet ca 100€ pro Seite mit schweißen lassen.
kleinere Stahlseile mit Kausche oä passen nicht ohne zusätzliche Verbindungsteile

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Re: Die richtigen Bergemitteln und die richtige Bergetechnik

Beitrag von tdichris » Do 12. Jun 2014, 22:32

Egal, was durch die Luft, alles was fliegt, kann verletzen oder mehr !!!

Der ideale Fall sollte doch so aussehen, daß das festsitzende Fahrzeug bestmöglich auf die Bergung vorbereitet wird.
z.B. Ausgraben aus dem Sand oder Schlamm, erleichtern durch Abladen usw.
dann das Bergegeschirr nicht überbelasten und vor allen Dingen langsam vorgehen.

Zumindest habe ich das in über 30 Jahren Feuerwehrerfahrung so praktiziert und nie einen Schaden, oder ein gerissenes Seil gehabt.

Nicht umsonst gibt es beim Bergen den Grundsatz Sicherheitsabstand rundum die beiden Fahrzeuge mindestens 1,5 fache Seillänge !!


PS: Rechtschreibung editiert, meine Tastatur gibt grade den Löffel ab :evil: :evil:
Grüße
Christian

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Re: Die richtigen Bergemitteln und die richtige Bergetechnik

Beitrag von egn » Do 12. Jun 2014, 22:45

Es fliegt nichts durch die Luft weil die definierte Bruchstelle durch eine zusätzliche Verbindung gesichert ist.

Dass man den Sicherheitsabstand zusätzlich einhält ist selbstverständlich.
Gruß Emil

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Re: Die richtigen Bergemitteln und die richtige Bergetechnik

Beitrag von tdichris » Do 12. Jun 2014, 22:52

Ich weiss, was du meinst, grundsätzlich nicht schlecht, aber ich denke halt, wer so ins Seil fährt, wie z.B. in den Videos, der hält auch nicht an, wenn die Sollbruchstelle nachgibt und die zusätzliche Verbindung an ihre Grenzen kommt. ;)

Ich nehme mal als Beispiel die Bergung von Andys KAT:
Trotz der massiven Zugkräfte ist nichts gebrochen!
Hätte irgendeiner der ziehenden das ganze mit Gewalt versucht, dann hätte das Ganze sicherlich im Desaster geendet !!
Grüße
Christian

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Re: Die richtigen Bergemitteln und die richtige Bergetechnik

Beitrag von Zentralgestirn » Do 12. Jun 2014, 22:54

Andreas ist mindestens einmal ein Stahlseil dabei gerissen....

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Re: Die richtigen Bergemitteln und die richtige Bergetechnik

Beitrag von tdichris » Do 12. Jun 2014, 23:05

@Andy

mich würde interessieren, wann die Seile gerissen sind:
Bei Versuchen mit "Hauruck", oder bei langsamen Ziehen ?
Grüße
Christian

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Re: Die richtigen Bergemitteln und die richtige Bergetechnik

Beitrag von egn » Do 12. Jun 2014, 23:06

tdichris hat geschrieben: Hätte irgendeiner der ziehenden das ganze mit Gewalt versucht, dann hätte das Ganze sicherlich im Desaster geendet !!
Vielleicht haben wir uns missverstanden. Ich befürworte keinesfalls die Bergung durch unkontrolliertes und schnelles Hineinfahren in das Bergemittel. Denn da weiß man nicht welche Belastung wirkt. Ich würde wie bei der Feuerwehr immer die Bergung mit einer Winde bevorzugen. Denn da weiß man welche Kräfte wirken und kann die Bergemittel optimal aufeinander abstimmen.

Ähnliches gilt für langsames Anfahren mit dem KAT. Da kann man die pure Zugkraft über Motordrehmoment, Wandler, Übersetzung und Radgröße ausrechnen. Mehr als 20 t kommen da nicht zusammen. Hat man also Bergemittel mit mehr als der doppelten Bruchlast dann ist man auf der sicheren Seite.
Zuletzt geändert von egn am Do 12. Jun 2014, 23:11, insgesamt 2-mal geändert.
Gruß Emil

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Re: Die richtigen Bergemitteln und die richtige Bergetechnik

Beitrag von manny » Do 12. Jun 2014, 23:07

Zentralgestirn hat geschrieben:Andreas ist mindestens einmal ein Stahlseil dabei gerissen....

nee, er hats nur zu weit abgerollt ;)
Wer später bremst ist länger schnell...

Mein Fuhrpark:
BMW 320D Touring E46 Bj 2003
KTM EXC 525 Bj 2007 --> Geklaut am 6.09.2017 ;-(
MAN KAT 7t Mil GLw 462
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MAN F2000 19.604FLT Bj 99

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Re: Die richtigen Bergemitteln und die richtige Bergetechnik

Beitrag von tdichris » Do 12. Jun 2014, 23:12

@Emil

Dann waren wir wohl die ganze Zeit einer Meinung ;) ;)
Grüße
Christian

AndreasE
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Re: Die richtigen Bergemitteln und die richtige Bergetechnik

Beitrag von AndreasE » Do 12. Jun 2014, 23:13

Dem örtlichen Abschlepp/Forsttraktor ist
1x Seilriss und
2x Bergemittelbruch
passiert.

Der hat das locker weggesteckt, hat die Seile neu verknotet und ruhig weiter gemacht ...

Ein paar Punkte um meinen Gedankenansatz zusammen zu fassen, warum ich die Schäkelthematik überhaupt angefangen habe.

Mein Fahrzeug wurde zum ersten Mal geborgen.
Ich befand mich nicht in einem Rennen. Mein LKW war schon 7 Stunden im Schlamm.
Das erste Zugfahrzeug hing mit 2 Seilwinden an der Anhängekupplung. Der Abschlepptraktor hatte in Summe 3 Seilrisse/Bergemittelbrüche
Das nächste Zugfahrzeug hatte zwar eine Kette mit aber kein Anschlagmittel. Hätte man es an die Anhängekupplung zum ersten Fahrzeug gehängt, wäre die vermutlich rausgeflogen. Also wurde mein Windenseil durch eine Bergeöse gefädelt und die Kausche diente als "Ankerpunkt". So schnell konnte ich gar nich schauen wurde in das andere Ende von meinem Windenseil ein einfacher Palstek geknotet, der am Radlader angehängt wurde. Daß das Windenseil gleich nach der Bergeöse einen 90 Grad Winkel machte sei der Vollständigkeit halber erwähnt.
Das dritte Fahrzeug (der Raupenbagger) hatte einen Schäkel mit. Und nach Wolfgangs Post fällt mir auch wieder ein, daß der Schäkel mit einer durch die Öse passenden Schraube befestigt worden ist. In den Schäkel wurde die Kette des Raupenbaggers eingehängt.

Ich verstehe Sebastian's Punkt, daß hier nicht zu spassen ist - und teile hier seine Sichtweise. Ob dann aber ein Schäkel mit einer 24mm Schraube eine höhere Gefahr darstellt als ein um 90 Grad scharfkantig abgebogenes Windenseil? Hmm. Schwer nachzuweisen. Vorstellen kann ich es mir schon, daß der Schäkel die bessere Lösung in diesem Fall ist.
Wolfgang hat was von abschleppen geschrieben. Dafür und auch zum Verzurren ok. Wobei dafür die beiden Zugmäuler reichen sollten. Aber beim Bergen finde ich das ein absolutes No-Go.
Ich stelle oft fest daß sich Sicht- und Betrachtungsweisen unterscheiden. Wie wir den KAT am Tieflader befestigt haben, war es für den Lademeister ein absolutes No-Go, den KAT über die Zugmäuler zu sichern. Die Ketten wurden über die Achsen gelegt und die Zugmäuler nur leicht unterstützend angebunden (um die Wippbewegung der Federung einzudämmen). Die Hängekupplung hat eine beschränkte Deichsellast und ist zum verzurren nicht geeignet.

Wenn ich mir noch einen Kommentar zu den unten angeschweissten Kranhaken erlauben darf. Ich hätte Angst, daß die oftmalige Bodenberührung (sie sind recht exponiert angeschweißt) über die Zeit ihre Substanz angreift. Wenn der LKW über sie zBsp im Gelände "abrutscht".

Bild

Irgendwie ist mir im Gelände der 45 Grad Böschungswinkel zu wenig :)
Bild


Liebe Grüße,
Andy
Zuletzt geändert von AndreasE am Do 12. Jun 2014, 23:23, insgesamt 2-mal geändert.

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Re: Die richtigen Bergemitteln und die richtige Bergetechnik

Beitrag von AndreasE » Do 12. Jun 2014, 23:17

tdichris hat geschrieben:@Andy

mich würde interessieren, wann die Seile gerissen sind:
Bei Versuchen mit "Hauruck", oder bei langsamen Ziehen ?
@Manny,
mein Windenseil wurde "abgerollt" - korrekt. und lag dann heraussen herum, bis es verwendet wurde das zweite Bergefahrzeug anzuhängen.

Chris,
zu keinem Zeitpunkt wurde irgendwas mit Hauruck gemacht. Alles passierte mit langsamen Zugkraftanstieg. Deshalb schrieb ich in meinem Thread, daß ich happy war, daß entweder ein Windenfahrzeug da war, ein Fahrzeug mit hydrostatischem Getriebe und etwas mit großer Schaufelhydraulik.

Liebe Grüße,
Andy

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Zentralgestirn
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Re: Die richtigen Bergemitteln und die richtige Bergetechnik

Beitrag von Zentralgestirn » Fr 13. Jun 2014, 01:17

Andreas,

du hast recht, gefederte Fz werden nicht oberhalb der Fderung gezurrt. Da habt ihr alles richtig gemacht. Mir ging es eher darum, zum abschleppen sind die zugmäuler da, dafür sind sie überhaupt dran, vom anhänger ziehen abgesehen. Das vordere ist auch zum bergen, da es sehr kurz ist und nicht wie das hintere eine Stangenführung hat. Zum verlasten ist das Hintere nicht da, das vordere kann man finde ich im bestimmten Rahmen schon dafür benutzen. So, ich denke das habe ich klar genug verfeinert.

Das mit dem Schäkel, ich weiß nicht welche Materialgüte der hat und durch welche Schraubengüte ich einen qualitativ mindestens gleichwertigen Ersatz anfertigen kann. Da man bei scherung eh mit der Projizierten Fläche rechnet ist der eine mm vermutlich recht verschmerzbar. Nur mir geht es da um andere Dinge wie einen bolzen mit 1mm weniger oder mehr. sondern darum, das der eine sagt dies das jenes und sich für seinen Fall etwas dabei gedacht hat. Der zweite aber eben nicht weiß was der erste weiß und dann nachmacht ohne zu wissen was er da macht und was beim dritten dann dabei für eine Version heraus kommt möchte ich erst recht nicht wissen. Deshalb habe ich ja auch geschrieben, das Wolfgang es geschrieben hat, bei dem abschleppen ging es. Du wolltest es für den generellen Einsatz haben, also auch bergen. Da macht man so etwas nicht, besonders nicht wegen weniger Euro, Arbeitsminuten etc.

Das die Baggerhaken mal "Feindberührung" haben interessiert die glaube ich wenig. Auch Schotter ist harmlos. Evtl könnte es mal einen Schnäpper zerbeamen, mehr glaube ich nicht. Selbst auf Felsen, das Gewicht des KATs ist gering gegen die Kräfte für die die Haken ausgelegt sind. Auch die Auflagefläche der Haken am Rahmen ist groß und so dürfte dem Rahmen nichts passieren.

Am Bagger sind sie ja auch am Stiel oder an der Schaufel und müssen da auch viel ertragen ohne beim nächsten Hub zu versagen. Also da mache ich mir keine Sorgen. Besonders weil sie so liegen, das der Böschungswinkel nicht beeinträchtigt wird. Wenn man mal einen Besenstiel anlegt, dann kommen die nicht auf den Boden. Das habe ich vorher geprüft, da es auch eine Befürchtung von mir war und ich den hinteren Rampenwinkel nicht noch verkleinern wollte. der ist beim 4x4 eh schon blöde mit den Rücklichtern.

Ich finde es gut, das du auf Input reagierst und dein Handeln überdenkst. Das macht nicht jeder. Weiter so.

AndreasE
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Re: Die richtigen Bergemitteln und die richtige Bergetechnik

Beitrag von AndreasE » Fr 13. Jun 2014, 02:08

Sebastian,
ich reflektiere oft mein Handeln - im privaten wie auch im beruflichen Bereich und ich hinterfrage oft. Es sind ein paar der Grundlagen für laufende Verbesserungen.

Wie so oft im Leben gibt es auch beim Bergen einen Sicherheitsfaktor, der Hirn heißt. Daß die RennLKW Fahrer einen anderen Zugang zu dem Thema "Sicherheitsfaktor" haben wie ein Feuerwehrmann dürfte für uns alle klar sein.

Nicht jedes Trumm einer Sicherungskette muß in jeder Situation für maximale Belastung ausgelegt sein. Oft ist es der berühmte "Zupfer" den jemand aus einer misslichen Lage benötigt und ob da dann ein 20 t oder ein 40 t Gurt Verwendung findet ist schon egal. Genauso würde mein Sicherheitsbedürfnis betreff Komponenten deutlich nach oben gehen, wenn die ganze Aktion vorne statt hinten stattgefunden hätte (um das als Beispiel zu nehmen). Es ist auch ein Unterschied, ob man in einer menschenleeren Gegend werkelt, oder von interessierten Zuschauern umringt wird (Stichwort: Das gezeigte Rennvideo). etc, etc ...

Der Raupenbaggerfahrer hat angeboten meinen KAT vorne mit dem 20t Gurt leicht anzuheben, damit die Saugwirkung des Schlamms reduziert wird. Der vordere Haken ist jedoch für diese Richtung nicht ausgelegt und von daher war das für mich keine Option. Es macht auch keinen Sinn, die Sache komplett zu übertreiben und 100t Befestigungsmöglichkeiten am Rahmen anzubringen. Dann ist u.U der Rahmen geborgen, aber die Achsen bleiben einsam im Boden zurück.

So blöd die Durchfahrt (oder besser gesagt Nicht-Durchfahrt) auch gelaufen ist, sie ist kein Ereignis, daß meinen "Leben" verändern wird. Erstens gibt es noch andere Möglichkeiten sich festzufahren, zweitens versuche ich ein paar Jahre wieder ungehindert durchs Gelände pflügen zu können und drittens halt ich nichts von dominierenden Erfahrungen die aus singulären Ereignissen abgeleitet sind. Dazu ist das Leben zu vielseitig - und unterhaltsam. Das ist zumindest die Freiheit, wenn man es als Hobby betreibt. Beruflich gesehen würden eine Reihe zusätzlicher Faktoren dazu kommen.

Liebe Grüße,
Andy

Wie üblich gibt es noch ein paar Bilder

Nicht weit von meinem Erlebnisplatz entfernt (Ich beantrage offiziell den Namen "Andyteich" :) ) versuchte dieser Kollege den Horizont neu auszurichten. Bei dieser Aktion benötigte er eher ein Sicherungsseil, denn ein Bergeseil und die Winde war hier die deutlich gefühlvollere Variante. Ein größeres Thema war jedoch die Anbringung, denn weder ein Kranhaken, noch eine Bergeöse stand in der gewünschten Richtung zur Verfügung :)
Bild

Ebenfalls Erzberg: Hier der berühmte "Zupfer" - alt hilft neu (Zu dumm wenn der Radstand so lang ist ...)
Bild

Zum Vergleich - Gleicher Hügel
Bild

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Re: Die richtigen Bergemitteln und die richtige Bergetechnik

Beitrag von egn » Fr 13. Jun 2014, 07:49

AndreasE hat geschrieben: Ein größeres Thema war jedoch die Anbringung, denn weder ein Kranhaken, noch eine Bergeöse stand in der gewünschten Richtung zur Verfügung :)
Zum Sichern habe ich seitlich am Rahmen mehrere Anschweißösen an schweißen lassen.

Sieht man hier zwischen den zwei Hinterachsen (Bild vergrößern):
kola-0344.jpg
Gruß Emil

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Re: Die richtigen Bergemitteln und die richtige Bergetechnik

Beitrag von Saarkat » Fr 13. Jun 2014, 08:46

Nicht umsonst gibt es beim Bergen den Grundsatz Sicherheitsabstand rundum die beiden Fahrzeuge mindestens 1,5 fache Seillänge !!
Ich formuliere es jetzt mal so. Wenn man obigen Grundsatz beherzigt, hat man schon sehr viel getan, unabhängig davon, ob man gefühlvoll in das Seil/Gurt fährt oder wie in dem Actros Video mit richtig viel Schwung. Es besteht dann "nur" noch Gefahr für den Fahrzeugführer, weil er sich im Bereich der Fluglinie von gerissenen Seilen/Gurten befindet.

In den meisten Videos stehen sie aber nur ein paar Meter entfernt und ich gehe mal davon aus, das viele nicht wissen, was gerade für Kräfte herrschen und wie die Folgen aussehen können. Es ist bei mir in diesem Punkt wie bei Strom. Ich habe keine Angst davor, aber jede Menge Respekt. Angst kann gefährlich werden, Respekt steht eher für kontrolliertes Handeln mit hoher Überlebenschance.

Besondere Umstände erfordern besondere Maßnahmen. Teilweise lösgelöst von irgendwelchen Sicherheitsbestimmungen. Doch im Vordergrund steht immer die Eigensicherung. Und ich habe während meiner Tätigkeit als Zug- und Gruppenführer bei der Feuerwehr im Bezug auf solche Situationen immer gepredigt: "Man kann nie so blöd denken, wie es evtl passieren kann" und ich bin immer gut damit gefahren.

Überstürztes Handeln ohne zu Denken und dazu noch das falsche Material ist so ziemlich die schlimmste Kombination, die man antreffen kann.
Gruß

Christoph


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Re: Die richtigen Bergemitteln und die richtige Bergetechnik

Beitrag von MrCrabs » Sa 14. Jun 2014, 01:23

Hallo Leute,

ich bin schon lange begeisterter Mitleser und angehender Kat (Mit-)eigentümer, aber dazu demnächst mehr...

Ich Kenne das Thema Stahlseile und ihre Gefahren aus meinem Berufsleben als Forstwirt, es kommt nicht von ungefähr, dass im Forst Sicherheitsscheiben oder Schutzgitter Pflicht sind, da stellt sich auch keiner so nah dran, wie in den Videos...

Was mir aber bei diesem Satz:
AndreasE hat geschrieben:So schnell konnte ich gar nich schauen wurde in das andere Ende von meinem Windenseil ein einfacher Palstek geknotet, der am Radlader angehängt wurde.
noch eingefallen ist, ist eine Technik, die wir im Wald einsetzen um gerissene Windenseile schnell und einfach wieder einsetzen zu können.
Man nennt es das Flämische Auge. Dabei wird das Seilende aufgetrennt und dann ineinander geflochten. Allein nur durch das Verflechten kann diese Schlaufe ca. 70% der Bruchlast des Seiles aushalten. Wenn man nun noch eine Talurit Klemme darum macht (in diesem Fall reicht eine mechanische Verpressung mit dem Hammer), so ensteht eine zulässige und vollbelastbare Seilendverbindung. (Dauert mit etwas Übung keine 10 Minuten). Eine Darstellung seht ihr unten.

Dies Technik könnte man natürlich auch bei Seilrissen während einer KAT-Bergung nutzen, man müsste halt statt der Taluritklemme Schraubklemmen nehmen, diese kann man ja ohne weiteres im Bordwerkzeug mitführen.

MfG

Felix
Dateianhänge
Flämisches Auge.jpg
Gruß Felix

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Re: Die richtigen Bergemitteln und die richtige Bergetechnik

Beitrag von Saarkat » Sa 14. Jun 2014, 02:03

Ich möchte in keinster Weise anzweifeln, dass das funktioniert, aber ehrlich gesagt, wäre das nicht wirklich meine Welt. Ich hätte da wahrscheinlich immer ein dezent flaues Gefühl in der Bauchnabelgegend.
Gruß

Christoph


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Re: Die richtigen Bergemitteln und die richtige Bergetechnik

Beitrag von woelf59 » Sa 14. Jun 2014, 09:08

Hallo,

unter Abschleppen war nicht einfaches Wegziehen zu verstehen, da hätte man das Zugmaul benutzt. Der Abschleppdienst hatte trotz meiner Bedenken (in der TDV wird davor gewarnt) 2 geschweifte Schäkel mit 22 mm Bolzen auf die Zurrösen gehämmert und mit einer Kette an der Abschleppbrille den KAT soweit angehoben bis beide Vorderachsen frei waren. Mit dieser Konstruktion wurde dann ca. 40 km über Landstraßen geschleppt. Habe heute noch weiche Knie bei dem Gedanken an die Aktion. Deshalb habe ich da schon Vertrauen an die Kombination 8,5 t Schäkel mit hochfester M24 Schraube. Bevor die M24-Schraube abschert würden höchstwahrscheinlich die Schrauben der Stossstange abreissen. Zum Thema reissende Stahlseile kann ich noch anmerken, daß dies bei Geradezug eher unspektakulär ist. Habe bei Rückearbeiten hie und da schon mal Seilriss gehabt, da fliegt nichts durch die Gegend. Brechende Ketten oder Schäkel sind da schon gefährlicher.

Gruß Wolfgang

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Re: Die richtigen Bergemitteln und die richtige Bergetechnik

Beitrag von Zentralgestirn » Do 19. Jun 2014, 16:02

https://www.youtube.com/watch?v=r8O7SknMrIs

Recht interessantes Webinar über Schäkel.

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